Es gibt ein Leben still wie das der stillen Tiere,
achtsam, einander nicht den Weg zu nehmen.
Viel Raum der Welt leert sich hinaus ins All
und sieht dabei blutrot aus wie das letzte Licht.
Die meisten Menschen leben in der Suppenschüssel,
derweil die stillen Tiere in ihrem Zwischenraum
behaupten die Natur, als wär’s ein anderer,
nicht dieser kipplige Planet.
Der Zwischenraum
Ein paar Freunde zu begrüßen oder Tischkärtchen für Kito
Die Besunzanen, Bethenici und
Chutici, die Citici, Colodici,
die Daleminzer, die Dossanen und
die Gera und Kessin, Licicaviki,
Linonen, Lusizer, Milzener und
Morizani, Neletici, Nisanen,
die Obodriten, Osti, Plisni und
Polaben allemal und Puonzowa
und Ranen und Redarier, Selpoli,
die Serimunt, Siusler, Smeldinger,
Sprewanen und die Stodoranen, die
Tollenser, die Travnjanen und Tucharin,
Ukranen und Warnawi, Weta, Wilzen,
Zamzizi, Zirzipanen, Zurbici.
aus: LIETZENLIEDER. Gedichte, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2012
Loschwitzer Sommer
aus: Das Alter der Elbe, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2026
Woher ich alles habe
Woher ich alles habe
aus DAS ALTER DERT ELBE, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2026
Verfolgungswahn
Statt des Geldbriefträgers kommt der Mond
vom Friedrichshain. Statt der Liebe tritt
der wackere Sankt Georg aus der Ecke,
fremd, unbekannt ohne sein Kreuz.
Statt der Krokusse, der zarten Frühlingstöne,
rast der Schlitten auf der Todesbahn.
Statt des Planschbeckens für die Enkel
steht das Leninmonument im Garten.
Aus: Die sichtbaren Dinge, poetenladen, Leipzig 2019
Das Kind
Bin wieder Kind geworden mit den Jahren,
hab keinen Anteil an der großen Welt,
hocke in einem abgelegenen Garten
und staune, dass der Regen fällt.
Die Leute draußen denk ich mir zu Liebespaaren,
und obendrein verdienen sie sich Geld.
Meins ist, ich liebe, auf die Sterne warten,
kann sein, dass einer in mein Hemd rein fällt.