Ich muss jetzt doch das unverständliche Gedicht
aufschreiben, denn schon viel zu viele Vorgänger
des einen unverständlichen Gedichtes wurden
als solches angesprochen, yes!
Es selbst führt, wenn auch Teil von mir, sein Eigenleben.
Es selbst bestimmt, was ich der Mitwelt als von mir
bestimmt verkaufe, doch ist damit beinah nichts
gesagt. Mehr sag ich, hoff ich, jetzt.
Sein Kommen angekündigt hatte A., die kleine
Mitschülerin, der ich zwei lange Jahre haltlos
verfallen war in einem Maß, von dem kein andrer
’ne Ahnung hatte. Ich war schüchtern.
Sie selbst, kann sein, wusste aus meinem Nuscheln mehr,
nur langte es nicht mal zu einem kurzen Kuss,
noch nicht einmal, als wir gemeinsam Schule schwänzten,
(ein Tag mit Glücksstern).
Ich bitte, hier noch nicht zu fragen. Das unverständ-
liche Gedicht war nicht an einem Tag gedichtet,
genaugenommen nie. Man seh mir nach, wenn hier
ein Bild halb passt: Geburt –
das unverständliche Gedicht war einfach da.
Es war so schwarz wie die zum Glück vergessnen Träume.
Es kam aus Tiefe und aus Nichts und schrie sein „Ich“!
Ich, sprachlos, habe nur gespurt.
Ich dachte nicht. Zu atmen, herzuhalten reichte.
Ich folgte, Nacht um Nacht, so wie ein Masochist
der oder dem Vergötterten. Ich staunte an
und tat am Tag darauf normal.
Die lächerliche Macht hat es manchmal zensiert,
manch einer sprach es heimlich mit und ahnte nicht,
dass solches sich nur selbst aussprechen kann aus uns.
(Male, Nikala, mal!)
Verstanden wird naturgemäß – und wurde – nie.
Der Singsang geht so fort, wenn einmal angefangen,
Verhältnisse sind ihm egal, man frage mich,
nicht das Gedicht nach Börsenkursen.
Die Verse sprießen, ob geackert wird, ob nicht,
sie feiern Fortschritt oder Weltenuntergang
am liebsten ganz, Grabrede oder Hochzeitssegen,
abstrus am Busen des Absurden.
Lässt sich das nicht auch anders sagen, fragt die Gretel,
ein Hans findet es abgedroschen, hergebracht,
sitzt fickerig auf seinem eignen Verse-Nest,
was nur verständlich ist.
Es hilft mir nicht und auch nicht dir, mein blasser Freund,
was wir hier treiben, ist das ältere Gewerbe.
Nur Mund sind wir und gehen wieder auf und sagen,
was unverständlich ist.
Holzmarkt, 18. Januar 2001